Was mich inspiriert – Woche 2

Was mich inspiriert – Woche 2

Am Montag waren wir in Stockholm, unter anderem im Fotografiska, dem Fotomuseum in der Stadt. Dort läuft noch bis zum 8. Februar die Jubiläumsausstellung zum 15jährigen Bestehen des Ausstellungshauses hier in Stockholm. Das Fotografiska gibt es unter anderem in Berlin, New York, Tallinn und Oslo, alle mit eigenen Schwerpunkten und anderen Gründungsjahren.

Es war ein bisschen ein Who is Who der bekanntesten Fotografen und Fotografinnen, eine Schau der üblichen Verdächtigen, mit Namen wie Helmut Newton, Robert Mapplethorpe, Sally Mann, Martin Parr und vielen anderen.

Aber es waren für mich auch Neuentdeckungen dabei, Bilder, die mich angesprochen und berührt haben. Zum Beispiel die überladen wirkenden Frauenporträts von Cooper & Gorfer, ein Künstlerinnen-Duo, das in Schweden lebt. Dahinter stehen Sarah Cooper aus den USA und Nina Gorfer aus Österreich. In ihren monumental wirkenden Porträts voller Symbole geht es um Identität vor dem Hintergrund von Flucht, Herkunft und Zukunft. Was passiert mit dem eigenen Selbstbild, wenn man sein Heimatland verlassen muss, gezwungen ist, an einem anderen Ort eine Zukunft zu suchen? Wie können aus Verlust, Träumen und Widerstand neue Utopien entstehen? 

 


Parallel zur Jubiläumsschau lief eine andere Ausstellung, EX YOU, der bosnischen Künstlerin Šejla Kamerić. Hier berührte mich eine Serie aus drei Frauenporträts, bei denen die Gesichter durch Überlagerungen wie verrutscht wirken. Keines der Gesichter ergibt ein klares Bild. Meint man, der eine Teil des Gesichts scheine zu stimmen, passt der Rest nicht dazu. Immer fällt es auseinander, nie bekommt man als Betrachter:In ein vollständiges Bild zu sehen.

Genau darum geht es bei Šejla Kamerić. Aufgewachsen im ehemaligen Jugoslawien, zwischen patriarchalen Strukturen, Krieg und dessen Folgen, bearbeitet auch sie in ihrer Arbeit Fragen zu Identität, Erinnerung und Widerstandskraft. Das, vor allem als Frau.

Mich haben diese nicht zusammenpassen wollenden Frauengesichter sehr berührt. Obwohl mit einem anderen Hintergrund, einer anderen Geschichte, kann ich dieses Gefühl nachempfinden. Zumindest haben die Gesichter etwas direkt in mir angesprochen, etwas das ich seit einer Weile versuche zu greifen, etwas das mit der Geschichte meiner Mutter zu tun hat, mit den Frauen vor mir in meiner Familie. Tatsächlich spielen dabei Fragen nach Identität, die Folgen von Krieg über Generationen hinweg, Herkunft und das Bild von sich selbst als Frau vor dem Hintergrund vorangegangener Frauengenerationen und gesellschaftlichem Kontext eine Rolle. Nur bekomme ich es noch nicht zusammen. Es ist daher inspirierend und bereichernd, Arbeiten anderer Frauen, die mit anderen Mitteln arbeiten, zu sehen. Sich mit den Fragen, die sie stellen, zu beschäftigen und zu schauen, wie sie sich mit meinen eigenen Fragen überschneiden und mich in meinen Gedanken weiterbringen können.

To be continued.

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